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Julia Pazmandi präsentiert ihr Forschungsprojekt beim Finale des "Falling Walls Lab" Forschungswettbewerbs in Berlin

Virtuelle Realität (VR) soll ForscherInnen und ÄrztInnen dabei helfen, seltene Erkrankungen besser zu verstehen. Julia Pazmandi, PhD-Studentin in der Arbeitsgruppe von Kaan Boztug am Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases (LBI-RUD) und am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, präsentierte ihr Forschungsprojekt im Finale des "Falling Walls Lab" in Berlin, nachdem sie die österreichweite Vorausscheidung des Falling Walls Lab gewinnen konnte.

Schnelles Erkennen und eine eindeutige Diagnose sind wichtige Faktoren für Menschen, die an seltenen Erkrankungen leiden. Oft müssen PatientInnen allerdings mehrere Jahre warten bis ÄrztInnen wissen, was ihnen fehlt, und mit einer gezielten Behandlung begonnen werden kann. Genau hier setzt das Forschungsprojekt der Molekularbiologin Julia Pazmandi an. Sie verwendet eine VR-Plattform (CeMMs VR Holodeck), die in der Forschungsgruppe von Jörg Menche am CeMM entwickelt wurde, um wissenschaftliche und genetische Daten in einem virtuellen Netzwerk darzustellen. ForscherInnen und ÄrztInnen haben so die Möglichkeit, diese biomedizinischen Daten intuitiv zu untersuchen und molekulare Netzwerke seltener Erkrankungen zu "betreten”.

Doch wie sieht diese virtuelle Realität aus und wie funktioniert sie? "Wenn Sie sich die VR-Brille aufsetzen, sind Sie umgeben von tausenden leuchtenden Punkten, die alle Proteine einer menschlichen Zelle darstellen", erklärt Julia Pazmandi. Mit Hilfe zweier spezieller Joysticks navigiert sich die Forscherin durch diese virtuelle Welt und kann sich ein einzelnes Protein so genauer ansehen. In dieser 3D-Umgebung ist es ihr so möglich, auf einen Blick zu erkennen, wie dieses Protein mit anderen Proteinen verbunden ist und welche Funktion es im menschlichen Körper erfüllt. "Wenn wir nun die Daten eines Patienten aus Blutproben und genetischen Untersuchungen in dieses Netzwerk laden, dann sehen wir durch farbliche Markierungen direkt wo Unregelmäßigkeiten in einem Protein vorliegen und mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte genetischen Veränderungen (Mutationen) zu einer seltenen Erkrankung beitragen", so Pazmandi. Ein vielversprechendes Anwendungsfeld ist u.a. auch die Krebsforschung, da für manche Krebserkrankungen ebenfalls Mutationen als Auslöser bekannt sind.

Diese VR-Umgebung soll ÄrztInnen zukünftig dabei unterstützen, seltene Erkrankungen viel schneller zu erkennen und damit gezielt und effizient zu behandeln. Bis zum Einsatz im Klinik-Alltag sind zwar noch weitere Entwicklungen und Tests notwendig, aber das Projekt bietet bereits vielversprechende Ausblicke für eine zukünftige Anwendung.

 

Julia Pazmandi

Julia Pazmandi ist PhD-Studentin am Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases (LBI-RUD) und CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der Gruppe von Kaan Boztug. Julia Pazmandi, die in Wien forscht, hat die österreichweite Vorausscheidung des Falling Walls Lab, die am 9. April 2019 an der TU Graz ausgetragen wurde, gewonnen. Die endgültigen KandidatInnen aus der österreichischen Vorausscheidung werden jeweils im Sommer bei den von AIT Austrian Institute of Technology und ORF Radio Österreich 1 veranstalteten Alpbacher Technologiegesprächen ermittelt.

 

Falling Walls Lab

Das erste "Falling Walls Lab” fand im Jahr 2011 in Berlin statt und wird seitdem in mehr als 50 Ländern weltweit veranstaltet. Das Finale mit ca. 100 Gewinnern der verschiedenen Internationalen "Falling Walls Labs" wird jedes Jahr am 8. November in Berlin ausgetragen. Das Ziel des "Falling Walls Lab” ist es, wissenschaftliche und unternehmerische Innovationen zu fördern und den Austausch zwischen herausragenden ForscherInnen und ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen zu unterstützen und stärken.

www.falling-walls.com